Fotografieren lernen in Berlin

Andreas Mühe: hagiographie biorobotica

Auf verschiedene Weise versuchte die DDR, das Bild vom ‘sozialistischen Helden’ zu prägen. Transportiert werden sollte es über Filme, Romane und Denkmale, aber auch Gedenkstunden und Schulaufsätze. Held konnte werden, wer in’s Konzept vom neuen sozialistischen Menschen passte. Damit ist indirekt klar, dass die DDR-Ideologie die Auswahl des Helden nicht freistellen wollte. Es gab einen Typ ‘Held’ für den einzelne Menschen als Beispiel dienten. Wie die Sowjetunion bis 1986 ihre Helden konstruierte, müsste man differenzieren.
Über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl kann man ganz unterschiedlich nachdenken. Ist es ein Unglück (fatum) und sind somit die Liquidatoren Retter (redemptores)? War es Schlamperei und die Liquidatoren sind Bauernopfer?
Die Installation in der Matthäus-Kirche ist gelungen durch den Blickwinkel, wie auf die ‘Helden’ geschaut werden kann. Auch die Ambivalenz, dass es gerade die mangelnde Schutzhülle war, die zum Tode führte, ist spürbar, etwa wenn durch die harte Ausleuchtung der eher konventionellen Schutzausrüstung, garnicht mehr klar ist, steckt ein Subjekt darin.
Ist der Liquidator mein ‘Nächster’ im christlichen Sinn? Ist es jemand, dem eine Fürbitte gelten könnte – in Fernsehdokumentationen ergreifen ja manche das Wort. Sind die vielen Liquidatoren im Tod gewandelt? Hat ihr Sterben ein Bezug zu meinem Sterben? Das sind Glaubensfragen. (tn) Eintritt frei auch So. Kulturstiftung Matthäus bis 14.Februar

Foto: Installationsansicht © Leo Seidel (rendering tn)