Fotografieren lernen in Berlin

das gläserne Gedächtnis

Was genau ist eigentlich Kulturbesitz? Für Berliner ist die Wortschöpfung ‚Preussischer Kulturbesitz’ wie eine Marke. Gelungene und wichtige Ausstellung trugen als Absender oder Förderer oft das Kürzel SMPK. Während in der Folge von ’68 preussische Tugenden lange als abschreckend galten, sieht sich die Stiftung so: “Die Museen, Bibliotheken und Archive der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bilden einen Kosmos der Kultur. Sie bewahren, erforschen und vermitteln einzigartige Zeugnisse der Geschichte der Menschheit.” Eine solche Beschreibung mag die Folge des wachsenden Drucks von politischer und privatwirtschaftlicher Seite sein, sich als ‚gloabal player‘ im Tourismus- und Ausstellungsbetrieb darzustellen.
Die Ausstellung ‚das gläserne Gedächtnis‘ hat einen Haken, man gerät in Versuchung, fast von ‚deutschem‘ Kulturbesitz auszugehen. Zum einen weil die gezeigten Schlösser durchweg zu Sehenswürdigkeiten aufgestiegen sind, die Deutschland repräsentieren, zum anderen weil sie anderthalb Jahrhunderte überdauert haben und somit Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und das was Polen die ‚kommunistische Phase‘ nennt.
Es wird nur eine Frage der Zeit sein bis die Glasplatten-Negative computertechnisch angereichert werden, das heißt sie werden wohl noch illusionistischer werden, bunter, dreidimensionaler, bewegter. Grund ist die unglaubliche ‚Datendichte‘ von Glasplatten-Negativen. Salopp könnte man sagen, es lässt ich viel aus ihnen herausholen.
Die Ausstellung markiert auch eine Zäsur, den Unterschied zwischen ‚preußisch beherrscht’ und ‚preußisch zur Unterhaltung‘. (tn, ein Westpreuße wenn man so will) Römische Bäder im Park Sanssouci bis 31.Oktober

Ausstellungsansichten

Dr. Jürgen Becher im podcast




Foto oben: Franz Tübbecke nach Michael Lock Skulpturengruppe ‘Ich habe keine Zeit müde zu sein’ im zerstörten Gedächtnisraum für Kaiser Wilhelm I. im Schloss Monbijou 1944/45