Fotografieren lernen in Berlin

Johanna Maria Fritz und Mila Teshaieva

Wenige Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine brechen die beiden Berliner Fotografinnen Johanna Maria Fritz und Mila Teshaieva auf in das Kriegsgebiet, Milas Heimat. Die beiden Frauen halten die Schrecken des Krieges und das Schicksal der Menschen vor Ort in Bildern fest. Gemeinsam reisen sie in das geschundene Land und begegnen Zerstörung, Leid und Empörung.

Die ersten Bilder des Krieges halten Johanna Maria Fritz und Mila Teshaieva in Irpin fest. Die Fotos der fliehenden Menschen, die über eine zerstörte Brücke den gleichnamigen Fluss überqueren, gehen um die Welt. Irpin wird zur Frontlini,e und die beiden Fotografinnen bringen sich in Kiew in Sicherheit. Hier treffen sie Menschen, die bleiben, so wie Maxim. Er war bis vor wenigen Wochen noch Artdirector eines Undergroundclubs, jetzt baut er Molotowcocktails. Seit sechs Jahren lebt der Russe in der Ukraine und will nun helfen, seine neue Heimat zu verteidigen. Auch wenn das bedeutet, dass er sich gegen seinen eigenen Bruder stellen muss, der als Soldat auf russischer Seite kämpft.
Mit ihrem alten VW Golf bewegen sich Johanna und Mila durch die leeren Straßen der ukrainischen Hauptstadt. Hundertausende Menschen haben Kiew bereits verlassen und nur das Nötigste mitgenommen. Die beiden Fotografinnen lernen Tatyana und Volodymyr von „Zoopatrul“ kennen. Eine Einheit von Freiwilligen, die durch die Stadt zieht, um zurückgelassene Tiere in Wohnungen aufzuspüren und zu füttern.
Der Krieg schweißt die Menschen zusammen und zeigt den Fotografinnen eine bisher ungeahnte Solidarität. Junge Männer wie Reshat und Ivan, die nicht zur Waffe greifen wollen, finden ihren Platz in der Masse der freiwilligen Helfer. Sie unterstützen Bedürftige im Alltag und versuchen, älteren Einwohnern wie Olga die Last der Einsamkeit zu nehmen.
Es sind Momentaufnahmen von Menschen, die plötzlich in einem Kriegsgebiet leben – eingefangen von zwei Fotografinnen, die das Gräuel des Krieges weiter mit ihren Kameras festhalten wollen. (Ankündigungstext) arte +7

Teshaieva für decoder

Nach der Flucht

Jeden Tag erreichen uns grauenhafte Nachrichten und Bilder aus der Ukraine. Es ist Krieg in Europa, Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der russischen Armee. Zwei Fotografinnen der Agentur Ostkreuz, Johanna-Maria Fritz und Mila Teshaieva, sind seit Kriegsbeginn in der Ukraine. Ihre Bilder in der Ausstellung zeigen uns, wovor die Menschen fliehen. Seit Anfang März porträtieren Ostkreuz-FotografInnen außerdem diejenigen, die auf der Flucht sind. In kurzen Texten erzählen die Geflüchteten außerdem ihre persönlichen Geschichten. »Nach der Flucht« möchte den Menschen aus der Ukraine Raum geben. Dazu laden wir im Mai 2022 Kulturschaffende aus der Ukraine zu einer Veranstaltungsreihe in die Berliner Zionskirche ein. Das Projekt entsteht als Reaktion, verändert sich im Prozess und entwickelt sich stetig weiter. Wir wollen zuhören, lernen, uns ausliefern.
Ein Forum der Begegnung: Die Zionskirche hat eine traditionsreiche Geschichte. Sie bot zu DDR-Zeiten einen geschützten Raum für Menschen, die nicht aus ihrem Land fliehen konnten oder wollten. Die Zionskirche war ein wichtiger Ort für die Demokratiebewegung in der DDR – hier entsteht jetzt für vier Wochen bis zur Renovierung des Kirchenraums Anfang Juni ein neues Forum der Begegnung. (Einladungstext) Eintritt frei Zionskirche bis 6.Juni

I. Lizengevic für Deutschlandradio Kultur 

Foto: Irpin, 4. März 2022 © Mila Teshaieva/Ostkreuz