Fotografieren lernen in Berlin

1870/71. Fotografien eines vergessenen Krieges

Die Bilder zählen zu den frühesten Kriegsfotografien überhaupt, ist die Fotografie seinerzeit noch ein neues Medium. Die Wiederentdeckung dieser Aufnahmen ermöglicht einen einzigartigen Zugang zu dem historischen Ereignis des Deutsch-Französischen Krieges, das sich in 2020 zum 150. Gedenken jährt. Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 war von Otto von Bismarck provoziert worden – als Mittel zur Gründung des Deutschen Reichs im Januar 1871. Auf französischer Seite folgte dem verlorenen Krieg gegen die Preußen ein Bürgerkrieg im Inneren: der Aufstand durch die Pariser Kommune. Die Kommunarden wollten die Kapitulation Frankreichs nicht hinnehmen, in der Blutigen Maiwoche von 1871 wurde ihr Aufstand durch Hinrichtungen brutal niedergeschlagen. Der Bildwissenschaftler und Kunsthistoriker Paul Mellenthin hat in jahrelanger Forschungsarbeit die verborgenen Aufnahmen weltweit gesucht, entdeckt und analysiert. In Frankreich wie in Deutschland trifft er private Sammler, Archivare und Museumskuratoren, die ihm ihre Archive öffnen, um gemeinsam zu reflektieren: Wie unterscheiden sich die Aufnahmen der französischen Fotografen von denen der deutschen? Dienen die Aufnahmen einem durch das Kriegsgeschehen entflammten Patriotismus oder legen sie schlichtweg Zeugenschaft ab?  Die hochdramatischen Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges sowie der Pariser Kommune zeigen die Fotografien eindrücklich. Erstmalig werden sie in einer Filmdokumentation einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt: Die Aufnahmen beeindrucken durch ihre Schönheit wie Grausamkeit und stellen so die aktuelle wie grundsätzliche Frage nach der Darstellbarkeit des Krieges. (Ankündigungstext)
18.August arte 22:50 Uhr, vorab in der BR Mediathek

Foto: französische und deutsche Soldaten in einer französischen Kirche vor dem Altar als provisorischem Lazarett (screenstill)