Fotografieren lernen in Berlin

Ulrike Ottinger

In Ulrike Ottingers Erinnerungen an Paris zwischen 1962 und 1969 kommen mehrere FotografInnen vor. Es sind Ré Soupaults Fotos des Quartier reservé, mit denen Ottinger das Kapitel zum ‘Algerien Trauma’ vieler damaliger Freunde einleitet. Willy Maywald lud sie zu seinen Atelier-Partys ein, denn sie lernte in einer Druckgrafik-Werkstatt nebenan. Ottinger erklärt, dass die wenigen Fotos vom Polizei-Einsatz vor dem Kino Rex 1962 aus den Zeitungsredaktionen verschwunden sind. Künstler und Fotograf Man Ray sieht man an einer Dachkante Schach spielen, die Figuren wirft ein Wasserschwall um. Zum Auktionshaus Drouot findet sie eine symbolische Kamera-Einstellung, wo ein Spiegel über der Rolltreppe, die Männer mit den Gegenständen gleichzeitig auf- und abwärts fahrend zeigt. Dazu der fast schon aphoristische Satz: Manche wollen ihre Erinnnerungen loswerden, andere wollen sie zurückkaufen. Es geht dabei um Fotoalben aus Fernost. (tn) voraussichtlich

Mi. 8.7. Bundesplatz 18h
Mi. 8. 7. City Kino Wedding 18:30h
Di. 14. City Kino Wedding 18.45h
Mi. 15. City Kino Wedding 18:30h
So. 19. City Kino Wedding 18:15h

wer frankophil ist: sieht Barbara singen Dis, quand reviendras-tu?, hört Paris erwachen, in ihrer Pariser Ausstellung spielte Ottinger Reynaldo Hahn; aber an die Parole meine Kummer, meine Sorgen, ich brauche sie nicht mehr hält sich Ottinger nicht

Katalog-Buch

2012 ehrte der teddy award Ulrike Ottingers Lebenswerk, sie schreiben:
Bereits mit ihren frühen Filmen der 70er Jahre war Ulrike Ottinger zu einer kulturell und emanzipatorisch inspirierenden Ikone der deutschen Filmlandschaft geworden. Laokoon und Söhne, die Betörung der blauen Matrosen und Madame X nahmen gesellschaftliche und ästhetische Entwicklungen vorweg und waren stilistische Wegbereiter einer sich erst entwickelnden Punk-Kultur: Werke einer wahren Avantgardistin. In den 80ern formulierten ihre Filme einen wesentlichen Teil des West-Berliner Filmkunst-Verständnisses. Den herkömmlichen Erscheinungsformen des Menschen fügten Ulrike Ottingers Filme eine Vielzahl von Facetten hinzu, die die Dualismen wie Mann-Frau oder Schwarz-Weiss armselig erscheinen ließen und einer Diversität Raum gaben, die heute zu den prägenden Eigenschaften berliner Kultur geworden ist.

Foto: filmstill © Ulrike Ottinger