Im Dienst der Rassenfrage

Propagandafotografien im Auftrag des Reichsministers R. Walther Darré

von Torsten Neuendorff  0

Auftragskunst - ist es ein Abgleiten in Propaganda? Ist es die Multiplikation - bis es Propaganda wird? Die Ausstellung ist deswegen so bestürzend, weil gegen die vordergründigen Bildinhalte erstmal nichts einzuwenden ist: Jugend, Gesundheit, Gemeinschaft, Sonnenschein. Aber hintergründig offenbart sie die Summe faschistischer Widersprüche: Warum mussten Bauern gesetzlich so streng ständisch diszipliniert werden, wenn sie doch angeblich die natürliche Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung waren? Warum musste Volkstanz mit Drill kombiniert werden, wenn er doch so eine lange Traditionslinie hat? Was ist so hassenswert daran, unsportlich zu sein? Warum war es so schwierig Modelle zu finden, die einem nationalsozialistischen Rasse-Ideal enstprachen? Man steht auch deswegen so entgeistert vor den Bildern, weil ja schwer zu sagen ist, wer ist hier eigentlich Nationalsozialist: die Abgebildeten sind ja mehr oder minder diejenigen, die erst zu Nationalsozialisten gemacht werden sollten, die Fotografin Anna Koppitz und der Fotograf Hanns Spudich galten den Nazis beide als nicht 100prozentig regimetreu. Beider Fotos aber entwickelten die Kraft des Faktischen. Plötzlich waren für immer Bilder da, die sagten, so ist ein Faschist, daran sollst auch du glauben.  (tn)  Eintritt frei tgl. bis 20 Uhr  Topographie des Terrors  bis  8. April

Christian Schröder im tsp

Foto: Erntezeit 1935 © Anna Kopitz, Werbung für Reichsschule Burg Neuhaus © Hans Spudich

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