Die fotografierte Ferne

Fotografen auf Reisen

von Torsten Neuendorff  0

Jede Fotoserie in der Ausstellung ist schon in sich konzeptionell angelegt - entsprechend viele Aspekte werden angetippt. Die Serie 'Trona' von Tobias Zielony beispielsweise war beeindruckend an gleicher Stelle in seiner Einzelausstellung als emotionaler Seismograph gesellschaftlicher Entwicklung. Sie unter dem Blickwinkel des Reisens zu betrachten, kann es gleich viel Sinn erzeugen? Auch bei der Serie zu Fukushima legt sich dieselbe Frage nahe. Der Abstieg August Sanders aus der Upper class durch den Börsencrash war gravierend - aber nicht, was er von New York zu zeigen hat, sondern nur dass er für New York-Fotografien aus dieser Epoche repräsentativ steht. Wer die romantische Ebene von 'fotografierte Ferne' wichtig nimmt, wird eher abgelenkt durch den textlichen Versuch, Reisen als soziologisches und historisches Phänomen allgemein einzuordnen. Trotz des ungeschickten Untertitels der Ausstellung 'Fotografen auf Reisen'... die Berliner Kurt Buchwald und Peter Pieler mit Wolf Lützen haben die thematisch zentralen Serien der Ausstellung fotografiert  Buchwald, reflektiert 1991 mühelos seine Stellung zwischen Betrachter und Reiseziel 'Cala Sant Vicenç'. Pieler und Lützen transzendieren das Thema der 'fotografierten Ferne' und des Reisens. Sie veränderten den Rückspiegel ihres Autos für eine Fahrt durch die Transitstrecke und fotografierten 1984 somit stets gleichzeitig Rückschau und Vorschau. Wenn man so will, waren sie auch ein Beispiel dafür, dass die DDR selbst jene reglementieren konnte, denen eigentlich die Welt offen stand.  (tn) montags Eintritt  6 €    Berlinische Galerie  bis  11. September

 

Foto: Katalogseite © Wolfgant Tillmans

 

 

 

 

 

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